A veterinarian's hands examining a white and grey kitten on a blue table.

FIP effektiv diagnostizieren und behandeln

Lange Zeit galt die Diagnose FIP als ein Todesurteil. Dank bahnbrechender therapeutischer Fortschritte in den letzten Jahren ist die feline infektiöse Peritonitis heute in den meisten Fällen gut behandelbar. Hier finden Sie als Veterinärmediziner:in nützliche Informationen zum Thema.

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Feline infektiöse Peritonitis

Die feline infektiöse Peritonitis (FIP) ist eine schwere, immunvermittelte Infektionskrankheit, die ausschließlich Katzen befällt. Sie ist die Folge einer Mutation des felinen Coronavirus (FCoV), mit welchem ein Großteil der Katzenpopulation infiziert ist. Bei einem geringen Anteil der infizierten Katzen entwickelt sich durch eine individuelle Virusmutation im Wirt die pathogene FIP-Variante In Hochrisikoumgebungen (wie Zuchten oder Tierheimen) entwickeln 5-10% der infizierten Katzen eine FIP Erkrankung.

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Diagnose

Die sichere Diagnose einer FIP ist nach wie vor eine Herausforderung. Hilfreich in der Diagnostik können folgende, häufig anzutreffende Auffälligkeiten sein. Für einen umfassenden Überblick konsultieren Sie bitte entsprechende, weiterführende Literatur bzw. Leitfäden wie z.B.: FIP Leitfaden der Universitäten Bern/Zürich oder das ABCD Merkblatt zur FIP Diagnostik

 
Signalelemente
  • Junge Katzen unter 2 Jahren
  • Besonders alte Katzen (ab 15 Jahren)
  • Männliche Tiere
Vorgeschichte
  • Mehrkatzenhaushalt
  • Lethargie
  • Gewichtsverlust
  • Inappetenz
  • umfangvermehrtes Abdomen
Klinik
  • Fieber
  • Ikterus
  • Dyspnoe
  • ophthalmologische Veränderungen (z.B. Uveitis)
  • Ataxie
  • Parese

Labor Parameter

  • nicht regenerative Anämie
  • Thrombozytopenie, Lymphopenie, Neutrophilie
  • Hyperproteinämie
Bildgebung
  • Abdominalerguss/Thoraxerguss
  • vergrößerte mesenteriale Lymphknoten
  • Splenomegalie
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Massiver Erguss im Brust- und Bauchraum

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FIP Katze: untergewichtig und mit Erguss

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Ikterus (Gelbsucht)

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Uveitis anterior

Diagnostische Tests

Probenmaterial

  • Ergussflüssigkeit (Punktat): ideal für die Diagnostik; sie weist bei FIP-Patienten meist eine hohe Viruslast auf.
  • Liquor: bei neurologischen Symptomen ohne Erguss ist die Untersuchung des Liquors indiziert
  • Blut/Kot: diese Materialien eignen sich nicht für einen direkten FIP-NAchweis. Eine RT-PCR aus Vollblut weist eine sehr geringe Sensitivität auf. Ein negatives Ergebnis, schließt eine FIP daher keinesfalls aus.

Etablierte Testverfahren

  1. Rivalta Probe: Ein einfacher, kostengünstiger Schnelltest am Ergusspunktat. Ein positiver Befund hat bei entsprechender Klinik einen hohen Vorhersagewert (ca. 80%), ist jedoch nicht beweisend. 
  2.  Zytologie & Proteinbestimmung: Typisch für FIP-Punktate ist ein proteinreiches, zellarmes Exsudat mit überwiegend Makrophagen und neutrophilen Granulozyten
  3. Quantitativer RT-PCR (z.B. IDEXX): Der Nachweis von FCoV-RNA im Erguss oder Liquor ist hochgradig verdächtig für FIP. Da jedoch viele Katzen Träger des FCoV sind, muss das Ergebnis im Kontext der klinischen Symptomatik und der Viruslast (Ct-Wert) interpretiert werden.
  4. Immunzytologie (direkter Antigen Nachweis): Der Nachweis von FCoV-Antigen innerhalb von Makrophagen im Erguss gilt als beweisend.
Hinweis zur Immunhistochemie (IHC): Der immunhistochemische Nachweis an Gewebeproben (z.B. Milz, Leber, Lymphknoten) gilt als diagnostischer Goldstandard. Aufgrund der Invasivität (Laparoskopie/Laparotomie) und der mehrtägigen Labordauer wird die IHC in der Praxis gar nicht bzw. nur post-mortem oder bei unklaren Verläufen ohne Erguss eingesetzt. 
 
Bei dringendem klinischem Verdacht sollte die Therapie nicht bis zum Vorliegen histologischer Befunde verzögert werden!
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Behandlung

Lange Zeit war die Diagnose FIP ein Todesurteil, doch inzwischen gibt es sehr erfolgreiche Therapiemöglichkeiten. Eine ausführliche Übersicht, über die aktuellen Behandlungsrichtlinien finden Sie in diesen Dokumenten:

Hier möchten wir kurz die wichtigsten Informationen zu bekannten Wirkstoffen zusammenfassen:

GS-441524

GS-441524 ist ein Metabolit des Wirkstoffs Remdesivir. GS-441524 ist der am besten erforschte Wirkstoff zur Behandlung von FIP. Studien belegen die Wirksamkeit des Wirkstoffes: Studie München/ZürichStudie UC Davis

Experten empfehlen daher eine 84-tägige Behandlung mit GS-441524 (15 mg/kg täglich, oral) als Standardtherapie für FIP. Folgt man dem etablierten Behandlungsprotokoll, bei dem der Wirkstoff in Form einer oralen Suspension verabreicht wird, stehen die Heilungschancen bei mehr als 85%. 

Aber: GS-441524 ist derzeit kein zugelassenes Arzneimittel. Ein legaler Bezug des Wirkstoffs in gesicherter Qualität ist in Österreich derzeit nur in Form eines verschreibungspflichtigen Magistralpräparats möglich. Wir ermöglichen einen solchen legalen Bezug. 

Andere Wirkstoffe

Zahlreiche andere Wirkstoffe wurden untersucht, um FIP zu behandeln. Dazu zählen zum Beispiel die Nukleosidanaloga Remdesivir, Molnupiravir, EIDD-1931 und die Proteasen-Inhibitoren GC-376 und Nirmatrelvir. Remdesivir, Molnupiravir und EIDD-1931 verursachen größere Nebenwirkungen als GS-441524 und sind deutlich schlechter erforscht für die Behandlung von FIP. In Europa sind weder Molnupiravir noch EIDD-1931 legal erhältlich. Remdesivir erfordert eine Injektion des extrem teuren Wirkstoffs.  

Die Proteasen Inhibitoren GC-376 und Nirmatrelvir zeigen ebenfalls schlechtere Ergebnisse in der Behandlung von FIP als GS-441524. GC-376 ist derzeit nicht legal erhältlich. Nirmatrelvir wird nur in Kombination mit anderen Nukleosidanaloga (z.B. GS-441524) zur Behandlung von FIP empfohlen. 

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Rechtliche Situation

GS-441524 ist derzeit kein zugelassenes Tierarzneimittel. Auf Grundlage der “therapeutischen Kaskade” (rechtliche Grundlage bilden EU Verordnung 2019/6 Art. 112 und das österreichische Tierarzneimittelgesetz) kann von Veterinärmediziner:innen eine Behandlung durch eine speziell in einer Apotheke zubereitete Formula Magistralis angeordnet werden, wenn folgende Punkte erfüllt sind:

  1. Es liegt eine Erkrankung vor, die beim Tier unzumutbares Leiden auslöst
  2. Es ist in der EU kein geeignetes zugelassenes Tierarzneimittel verfügbar
  3. Es ist kein praktikables zugelassenes Humanarzneimittel verfügbar

All diese Punkte sind erfüllt, da:

  1. FIP eine tödliche Krankheit ist
  2. sich keine der derzeit zugelassenen Tierarzneimittel zur effektiven Behandlung von FIP eignen
  3. die Anwendung von Humanpräparaten wie Remdesivir (VEKLURY®) im klinischen Alltag unpraktikabel ist. Die Therapie erfordert tägliche, teils schmerzhafte Injektionen über einen Zeitraum von vielen Wochen. Dies führt nicht nur zu erheblichem Stress für das Tier (Abwehrverhalten, Gefahr von Injektionsstellen-Nekrose, da Tierbesitzer:innen Injektionen oft nicht korrekt ausführen), sondern vermindert auch die Compliance der Tierbesitzer:innen erheblich. Außerdem ist der Einsatz von VEKLURY® mit extrem hohen Therapiekosten und oft unvorhersehbaren Lieferzeiten verbunden. Die magistrale Zubereitung als orale Suspension bietet daher eine evidenzbasierte, deutlich kosteneffizientere und stressfreie Alternative, die eine effektive Behandlung ohne invasive Eingriffe ermöglicht. 

Nachdem alle Voraussetzungen für die Verschreibung einer Formula Magistralis erfüllt sind, kann diese auf Rezept in einer öffentlichen Apotheke hergestellt werden.

Inzwischen hat sich auch ein großer Schwarzmarkt für GS-441524 entwickelt. Von einem Bezug des Medikaments über den Schwarzmarkt oder über Internetportale aus dem Ausland ist grundsätzlich abzuraten! Verschreibungspflichtige Tierarzneimittel dürfen nach geltendem österreichischem Recht (§ 50 Abs. 3 TAMG) nicht an den Konsumenten versendet werden. Ein Transport kann nur zu hausapothekenführenden Veterinärpraxen mittels Pharmalogistik erfolgen.

Die Vorteile unseres Produkts

Rechtssicherheit

Unser Magistralprodukt kann rechtskonform in Österreich bezogen werden. Dies bietet Rechtssicherheit für Ihre Praxis. 

Kontrollierte Qualität

Der Wirkstoff wird auf Identität und Reinheit geprüft und nach geltenden Vorschriften zu einer Formula Magistralis verarbeitet. 

Schnelle Verfügbarkeit

Unser Produkt kann wenige Stunden nach der Bestellung direkt in der Apotheke “Zum Wilden Kaiser” in St. Johann/Tirol abgeholt werden. Eine Zustellung an Ihre Veterinärpraxis mittels Pharmalogistik erfolgt innerhalb von 1-3 Werktagen. 

Nützliche Links

Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Thema